Das Handwerk in Düsseldorf beklagt eine Eintrübung der konjunkturellen Lage. Die Stimmung, geprägt durch den sogenannten Geschäftsklimaindex, ist so schlecht wie seit dem Höhepunkt der Energiekrise 2022 nicht mehr.
Der Index liegt unter der neutralen 100-Punkte-Marke. Eine anhaltende Nachfrageschwäche und der zunehmende Kostendruck belasten die Betriebe, wie der aktuelle Konjunkturbericht der Handwerkskammer Düsseldorf zeigt. Gleichwohl behauptet sich das Handwerk in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld: Weiterhin bewerten mehr als drei Viertel der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend.
Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf:
„Die Handwerkskonjunktur kommt nicht in Fahrt. Unsere Betriebe stehen von zwei Seiten unter Druck: Die private Nachfrage bleibt schwach, während steigende Kosten die Ertragslage belasten.“
Hohe Energie-, Material- und Personalkosten verschärften den wirtschaftlichen Druck. Insbesondere die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise träfen das Handwerk aufgrund seiner hohen Mobilitätsabhängigkeit unmittelbar. „Eine nachhaltige Erholung ist weiterhin nicht in Sicht“, erklärte Ehlert, was es jetzt brauche, „sind verlässliche Perspektiven und ein konsequenter Reformkurs.“
Aufträge und Umsätze rückläufig
Das Umsatzklima und das Auftragsklima zeigen gegenüber dem Vorjahr kaum Bewegung und liegen mit 85 und 83 Punkten weiter deutlich im negativen Bereich. Rund 40 Prozent der Betriebe berichten von rückläufigen Umsätzen und Aufträgen im letzten Halbjahr, nur etwa 20 Prozent von Zuwächsen. Besonders stark unter Druck stehen Soloselbstständige und Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten, die häufig über geringere finanzielle Rücklagen verfügen und stärker von einzelnen Kunden oder Absatzmärkten abhängig sind. Gleichzeitig hat die Investitionsbereitschaft weiter nachgelassen: Das Investitionsklima erreicht mit 84 Punkten einen historischen Tiefstwert. „Die Mischung aus gestiegenen Zinsen, verhaltener Nachfrage und Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung führt zu einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung“, berichtete Ehlert.
In allen sieben Gewerbegruppen hat sich das Geschäftsklima gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Besonders angespannt ist die Lage im Lebensmittelhandwerk (82 Punkte) und im Bauhauptgewerbe (87 Punkte). Relativ stabil zeigt sich dagegen das Ausbaugewerbe, das mit 103 Punkten als einzige Gewerbegruppe noch einen positiven Geschäftsklimawert erreicht.
Andreas Ehlert fordert Reformen zur Begrenzung der Lohnzusatzkosten, eine Senkung der Stromsteuer für alle und eine substanzielle Einkommensteuerentlastung für Personenunternehmen – analog zur Reduzierung der Körperschaftsteuer. Auch beim Thema Bürokratieabbau forderte Ehlert konkrete Ergebnisse. „Die Modernisierungsagenda geht in die richtige Richtung, bei den Betrieben kommt aber noch zu wenig spürbare Entlastung an.“ Als jüngstes Beispiel nannte Ehlert die Bonpflicht. „Aus der Abschaffung der Bonpflicht ist nun die Pflicht zur digitalen Belegbereitstellung geworden. Das ist dieselbe Pflicht in neuem Gewand. Auch digitale Bürokratie bleibt Bürokratie“, so der Kammerpräsident. Entscheidend ist aus Sicht des Handwerks, dass aus den diskutierten Reformankündigungen nun konkrete Gesetze werden. „Am Ende zählt, dass unsere Betriebe im Alltag tatsächlich entlGastet werden.“
