
Markus Eirund ist Gastronomieberater, Immobilienvermittler und Inhaber der Gastronomieberatungsgesellschaft eirund-consulting Seit vielen Jahren begleitet er Gastronomen, Investoren und Eigentümer bei Standortentwicklungen, Konzepten und Vermietungen. Durch sein großes Netzwerk und seine fundierte Marktkenntnis gilt er als einer der bekanntesten Kenner der Düsseldorfer Gastronomieszene.
Herr Eirund: Was sagt Ihnen die Visualisierung der „neuen Kö“-Ostseite?
Eirund: Zunächst stellt sich für mich die grundsätzliche Frage: Was will Düsseldorf eigentlich mit der Kö künftig sein? Soll sie zur Fahrradmeile werden? Wenn das das Ziel ist, braucht es für dieses Ergebnis sicherlich keinen Umbau für zehn Millionen Euro.
Tatsächlich wird dem Fahrrad sehr viel Raum gegeben. Was, denken Sie, will die Stadt damit bezwecken?
Eirund: Es ist natürlich das zu beobachtende Zurückdrängen des Autos. Gewiss will man mit der Beschränkung des Autoverkehrs auf der Kö auch die Auto- und Tuning-Szene vergraulen. Ich denke jedoch, das wird nicht funktionieren, man wird die Szene nicht vertreiben. Auch ohne Parkmöglichkeiten werden diese Autofreaks mit aufheulendem Motor und lautem Auspuff über die Kö fahren. Ich erinnere daran, dass die Car Spotter, junge Männer mit Kamera, die teure Karossen jagen, eine Düsseldorfer Besonderheit sind.
Lebendige Gastronomie existiert kaum noch
Kommen wir zu Ihrem Fachgebiet, der Gastronomie. Die Neugestaltung soll ja in der Hinsicht neue Möglichkeiten schaffen…
Eirund: Die Diskussion über einen möglichen Ausbau der Gastronomie finde ich spannend. Allerdings sollte man die wirtschaftliche Realität nicht aus den Augen verlieren. Die Pachten auf der Königsallee sind weiterhin sehr hoch, die Zahl der ernsthaften gastronomischen Interessenten überschaubar. Erfolgreich funktionieren derzeit vor allem Konzepte für Kaffee, Kuchen, Champagner und den schnellen Konsum. Eine lebendige Mittags- oder Abendgastronomie, wie sie vor 30 oder 40 Jahren auf der Kö mit zahlreichen Restaurants selbstverständlich war, existiert heute kaum noch.
Sie meinen Gastronomie wie früher der Benrather Hof, Müllers & Fest? Der Benrather Hof an der Ecke Kö/Steinstraße war bis 1994 eine beliebte Adresse, die dann schmerzlich vermisst wurde. Ich vermsisse auch das Victorian in der Königstraße sehr…
Eirund: Da gebe ich Ihnen recht. Es ist seit 2017 geschlossen und hat einen schwarzen Fleck in der Gastro-Landschaft hinterlassen. Günter Scherrer war eine Legende.
Der Blick auf andere europäische Metropolen zeigt, woran es Düsseldorf aus meiner Sicht wirklich fehlt. Wer durch Madrid, Paris, London oder Mailand geht, sieht konsequent modernisierte Immobilien, hochwertige Architektur und klare Entwicklungskonzepte. Dort wird kontinuierlich investiert und umgebaut. Und Gastronomie gehört immer dazu, weil sie das Ganze mit Leben erfüllt.
Hat die Stadt Düsseldorf bei der Kö-Planung Fehler gemacht?
Eirund: Auf der Bankenseite der Kö dominieren seit Jahren Bauzäune und Provisorien. Mit den Projekten Le Cœur an der Kö 37 sowie dem von der MOMENI-Gruppe entwickelten Trinkaus Karree entstehen zwar hochwertige neue Büro-, Einzelhandels- und Gastronomieflächen, die der Straße neue Impulse geben können. Beide Projekte werden die Aufenthaltsqualität und die wirtschaftliche Bedeutung der Kö langfristig stärken.
Dringender Handlungsbedarf
Aber: Problematisch wirkt sich die seit Jahren andauernde Insolvenz der Centrum-Gruppe aus, die in den angrenzenden Seitenstraßen deutlich sichtbar ist. Zahlreiche Entwicklungsflächen befinden sich in einer Art Warteschleife. Investitionen werden verzögert, Perspektiven fehlen und wichtige Entscheidungen bleiben aus.
Da sehe ich dringenden Handlungsbedarf. Besonders problematisch ist die anhaltende Unsicherheit rund um den geplanten Calatrava Boulevard. Das Projekt wurde einst als Milliardeninvestition und als internationales Prestigeprojekt vorgestellt, das die Kö zu einer der führenden Luxusmeilen Europas entwickeln sollte. Vorgesehen waren hochwertige Einzelhandelsflächen, Gastronomie, Büros sowie ein neuer Boulevard zwischen Königsallee, Königstraße und Steinstraße. Bis heute ist jedoch unklar, ob und in welcher Form dieses Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird.
Liegt der Fokus zu sehr auf der Neuordnung des Verkehrs?
Eirund: Die eigentliche Herausforderung ist aus meiner Sicht nicht die Verteilung von Fahrspuren oder Parkplätzen, sondern die Frage, wie die Königsallee insgesamt wieder attraktiver, moderner und wirtschaftlich stärker aufgestellt werden kann.
…wozu breite Radwege in beide Richtungen gewiss keinen erkennbaren Beitrag leisten.
Eirund: Ich sehe auch die geplante Reduzierung der Parkplätze kritisch. Die Kö lebt nicht nur von Fußgängern und Radfahrern, sondern auch von Kunden aus dem Umland, die mit dem Auto anreisen. Kunden aus dem Ruhrgebiet oder aus dem niederrheinischen Umland, aber natürlich auch Düsseldorfer, lassen sich gern mit ihrem Luxusauto bewundern. Auch das macht die Kö aus und trägt zum Flair bei. Die praktische Erreichbarkeit der Kö mit dem Auto, ohne dass man in ein Parkhaus gezwungen wird, finde ich auch wichtig, besonders unter Zukunftsaspekten.
Erreichbarkeit der Innenstadt
Wenn mehrere Großprojekte nahezu zeitgleich fertiggestellt werden und zusätzliche Besucher, Beschäftigte sowie Gastronomiegäste anziehen, wird sich die Frage stellen, wie die Erreichbarkeit der Innenstadt künftig gewährleistet werden soll.
Zurück zu Ihrem Kernthema, der Gastronomie. Die Kö ist abends tot wie der Nordfriedhof, gute Gastronomie mit Terrassen-Bewirtschaftung könnte das doch ändern, oder?
Eirund: Absolut: Derzeit haben wir nur Cafés und The Grill über Dior, die Restaurants im „59“ und im Steigenberger Parkhotel. Das La Passione im Sevens und das Barolo im Kö-Center sind gleichfalls gute gastronomische Betriebe. Das eigentliche Problem ist: Diese Betriebe befinden sich überwiegend in Hotels, Einkaufszentren oder Innenhöfen. Sie verfügen zwar teilweise über Terrassen zur Kö hin, sind aber nicht wirklich Teil des Boulevards. Sie bespielen die Königsallee nicht so, wie man es von internationalen Metropolen kennt.
Wer durch Paris, Madrid, Mailand oder auch London flaniert, erlebt Restaurants, Bars, Bistros und Straßencafés unmittelbar am Boulevard. Dort findet das Leben auf der Straße statt. Die Gastronomie ist Teil des öffentlichen Raums und prägt das Stadtbild. Auf der Königsallee dagegen findet Gastronomie häufig hinter Fassaden statt.
Was muss denn auf der Kö künftig passieren – planerisch und unter Gastro-Gesichtspunkten?
Eirund: Wir müssen Fehlsteuerungen korrigieren. Viele Branchenkenner sehen den Ursprung der negativen Entwicklung der Gastronomie in den frühen 2000er Jahren. Damals wurde unter Oberbürgermeister Joachim Erwin die klassische Bar- und Boulevardgastronomie auf der Kö bewusst zurückgedrängt. Stattdessen sollten die Gastronomiebetriebe in den Malls und Passagen die Besucher der Königsallee versorgen. Das mag aus damaliger Sicht nachvollziehbar gewesen sein, hat aber langfristig dazu geführt, dass die Kö heute zwar eine Einkaufsstraße ist, jedoch keine echte Flanier- und Genussmeile.
Genau hier liegt jedoch die große Chance für die Zukunft der Königsallee. Wenn Düsseldorf die Aufenthaltsqualität nachhaltig steigern will, braucht die Stadt vor allem mehr sichtbare, hochwertige und lebendige Gastronomie direkt am Boulevard. Denn Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen in die Innenstadt – sie kommen wegen der Atmosphäre, wegen des Erlebnisses und wegen der Begegnungen. Und genau dafür ist Gastronomie einer der wichtigsten Faktoren.
Zum KI-generierten Beitragsbild: Die Abbildung ist realistisch, bis auf den Fußweg direkt am Kö-Graben, den die KI trotz mehrer Anläufe nicht umgesetzt hat.
