Publikumsmagnet Altstadt – wie lange noch?

Es gibt Stellen, da sieht die Altstadt tatsächlich alt aus – herunter gekommen, verlottert, versifft.

Die Fotos, bei einem kleinen Bummel aufgenommen, zeigen längst nicht den ganzen Dreck der Altstadt, die – wie lange noch? – ein Publikumsmagnet für Düsseldorf ist.

Man fragt sich natürlich, was sich die Hausbesitzer dabei denken, ihre Immobilien derartig verkommen zu lassen. Doch man muss auch die Frage stellen, weshalb die Stadt nichts dagegen unternimmt.

Die sogenannte „Broken Windows Theory“ besagt: Wenn du hinnimmst, dass eine Scheibe eingeschlagen wird, ist der weitere Verfall programmiert. In anderen Worten: Man muss den Anfängen wehren, Zeichen setzen. Sofort, sonst setzt sich die Verlotterung fort. New Yorks Bürgermeister Rudolf Giuliani hatte damit großen Erfolg.

Eine pauschale „Fassadenpflegepflicht“ gibt es in Düsseldorf nicht. Die Stadt kann nur einschreiten, wenn bauliche Schäden auftreten, die auch die Sicherheit beeinträchtigen können.

Die Frage ist jedoch, ob die Stadt nicht die Mittel hätte, dieser Verwahrlosung Einhalt zu gebieten. Könnte die Landeshauptstadt nicht im Rahmen des Bauordnungsrechts Anforderungen an die äußere Gestaltung von Gebäuden stellen?

Gibt es keine kreativen Ansätze – etwa die Altstadt als einzigartiges Ensemble – unter eine Art Denkmalschutz zu stellen, verbunden mit gewissen Auflagen? Vielleicht muss OB Dr. Stephan Keller sein Team mal motivieren, kreativ zu denken. Außerdem ist es ohnehin erforderlich, die Altstadt auf den neuen Zeitgeist einzustellen. Es wird weniger Alkohol getrunken, Ausgeh-Gewohnheiten haben sich verändert, Geselligkeit und Genuss haben heute einen höheren Stellenwert als in den Siebzigern und Achtzigern, wo, seien wir ehrlich, der Alkohol für viele Altstadt-Besucher die Hauptrolle spielte.

Jemand, der begriffen hat, was die Glocke geschlagen hat, ist Karl-Heinz Gatzweiler (Hausbrauerei Zum Schlüssel). Der baut jetzt neben sein alteingesessenes Stammhaus eine „Altbier-Kathedrale“, mehrgeschossig, offen, kommunikativ und setzt voll auf Events und Brauchtum. In den nächsten Tagen werde ich ihn in einem Interview zu Wort kommen lassen.

noch keine Kommentare

Antworten

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.