Der ehrliche Restaurant-Test – Reinhardt’s

Inhaber und Küchenchef Michael Reinhardt legt bei fast jedem Gericht letzte Hand an, wie wir von unserem Tisch direkt gegenüber der offenen Küche beobachten konnten. Fotos: Düsseldorf Blog

Als ich Alfredo (Alfi) Lipari, der mit seiner „Trattoria Alfredo“ Restaurant-Geschichte geschrieben hat, den Test im „Reinhardt’s“ vorschlage reagiert er begeistert. Im Gegensatz zu mir war er schon mal da gewesen. Ich kenne Michael Reinhardts Küche nur von seinem früheren Standort Ludenberg.

Alfi steht auf Gänse („Könnte ich jede Woche essen“). Insofern war klar, was er bestellen würde. Damit war automatisch ich derjenige, der das Menü bestellen musste. Nur dieGans zu testen, das wäre ja wohl zu wenig gewesen. Also entschieden wir: ich esse das Vier-Gang-Menü, lasse ihn von jedem Gang probieren, er lässt mich dafür an seiner Gans naschen.

Doch bevor wir ans Essen gehen, einige Worte zum Restaurant im Herzen des lebendigen Pempelfort. Das Reinhardt’s verzichtet auf Schnickschnack. Das Ausgefallenste im Lokal ist das Reinhardtsche „R“ als Neonskulptur an der Stirnwand des Restaurants. Die Einrichtung auch ganz ohne Chichi.  „Normal“ wirkt auch das Publikum, das ab 18 Uhr an uns vorbeiströmt und – an einem Mittwoch! – das weiträumige Restaurant fasta füllt.  Es sind, finden Alfi und ich, Menschen, die aussehen, als ob sie einfach gern und gut essen wollen. Genau das charakterisiert das Reinhardt’s. Es will nicht der „place to be“ sein, wo Stammgäste so überschwänglich begrüßt werden, dass das Licht der Aufmerksamkeit auf sie strahlt. Die Selbsteinstufung des Reinhardt’s: Klassische französische Brasserie mit alpinen Einflüssen.

 

So wunderbar wie es aussieht

Die Begrüßung ist höflich und sehr freundlich. Der Kellner, durchgehend höchst aufmerksam, trägt im Laufe des Abends (nicht nur) zu unserem Wohlbefinden bei. Alles passt. Wir entscheiden uns für einen anständigen Tempranillo und als ich meine Vorspeise, siehe unten, erhalte, beugt Alfi sich neugierig vor. Das Kalbstatar & Thunfisch Tataki schmeckt so wunderbar, wie es aussieht, da sind Alfi und ich uns einig. Für mich war das in der Menüfolge neben dem Kabeljau der Höhepunkt. Nichts gegen den Hirsch, reine Geschmackssache.

Wir sitzen gegenüber der offenen Küche, was immer sehr interessant ist. Wir sehen, wie Michael Reinhardt fast überall zuletzt Hand anlegt. Wir sehen, wie ein junger Koch Teller mit Leidenschaft und Ausdauer poliert. Alfi ahnt: „Da waren einfach nur Wasserflecken drauf“. In der Küche keine Hektik, kein Gerenne, da wissen Männer in Weiß was sie tun.

Alfi, der Gans-Freund, kann kaum erwarten, bis das Tier auf den Tisch flattert. Die ersten Bissen – und sein Gesicht signalisiert höchste Zustimmung. Nun ja, nicht ganz die höchste: Die Gans im Riva, meint er, der sie dort Dutzende Male gegessen hat, könnte doch noch leicht die Nase vorn haben.

Alfi und ich sind wie auch etwa beim Test im „Il Punto“ im Andreas Quartier, dem wir nur zwei Punkte geben konnten, auch hier einer Meinung: Fünf Punkte! Wer sich als Leser jetzt fragt, wie das mit der Höchstbewertung für eine Sterne-Restaurant korrespondieren könnte: Für uns gilt, dass sowohl das Qualitative, als auch die Kosten-Nutzen-Betrachtung, der Service und das Ambiente eine Rolle spielen. Wenn konzeptionell wirklich alles „rund“ läuft, wie an diesem Mittwochabend in Pempelfort, ist es fünf von fünf Punkten wert. Glückwunsch, Michael Reinhardt!

Am kommenden Mittwoch treffen Alfi und ich uns wieder zum Test-Essen. Der „ehrliche Restaurant-Test“ heißt so, weil wir selbst bezahlen und uns die Freiheit nehmen, zu schreiben was ist.

 

 

 

Restaurant Reinhardt’s / Schlossstr. 82 / Düsseldorf-Pempelfort / Tel.: 0211-99611122 / Website: www.reinhardts-restaurant.de / Im November + Dezember auch montags geöffnet.

Absolut köstliche Vorspeise: Kalbstatar & Thunfisch Tataki mit Parmesancreme, Jalapeno, Salzzitrone, schwarzen Trüffeln

Das Zwischengericht des Vier-Gang-Menüs zu 90 Euro: Kabeljau mit Riesling-Rahmkraut, Beurre Blanc, glasierten Weintrauben und Speck – eine weitere SteigerungKräuterkruste“ Mein Hauptgericht: rosa gebratener Hirschrücken – „unter der Bergkäse-Birne, Spitzkohl, Sellerie, Preiselbeeren, Aromatenjus – perfekt gebraten und saftig.

Alfis Gans: Großes Kompliment von Gastro-Legende Alfi, alles perfekt, der Apfel stach noch hervor. Die Pommern-Gans wurde serviert mit Cassis-Rotkohl, Klößen, Bratapfel, glasierten Maronen und Gänsejus

Für mich der perfekte Abschluss: Statt Schweizer „Salted Schoggi-Mousse“ ein kleiner Käseteller mit Ziegenkäse, Gruyère, dem wohl beliebtesten Schweizer Käse und Époisses

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