St. Martin reitet wieder

Es gibt Bräuche, die mag man nicht missen, weil man sie für wichtig hält, weil eine Story dahinter steckt, die Jahr für Jahr von neuem erzählenswert ist. Die Geschichte von St. Martin ist eine solche.

Am Dienstag, dem 10. November, reitet St. Martin wieder.

In den Tagen rund um den Martinstag findet fast an jedem Abend in mindestens einem Düsseldorfer Stadtteil ein Martinszug statt, bei dem Kinder und Erwachsene mit erleuchteten Laternen hinter Ross und Reiter herziehen und dabei die überlieferten Lieder singen. Während in den einzelnen Stadtteilen oft Schulen, Kindergärten oder Schützenvereine als Veranstalter der Martinszüge fungieren, hat sich für die Düsseldorfer Altstadt 1925 die Vereinigung der Freunde des Martinsfestes e. V. zusammengefunden.

 

Zwei Mantelteilungen

 

Kapellen und Herolde starten am Dienstag um 17 Uhr am Stiftsplatz über Ratinger Straße, Neubrückstraße und nach Querung der Mühlenstraße an der Martinsstele vorbei über Andreasstraße und Kurze Straße zum Marktplatz vor dem Rathaus. Gegen 17.30 Uhr ist dann dort die erste Mantelteilung zu erleben. Danach geht es über Marktstraße und „Rheinort“ weiter zum Burgplatz, wo am Riesenrad gegen 18 Uhr die zweite Mantelteilung stattfinden wird.

Anschließend löst sich der Zug auf. Die Darstellung der Rolle des Bettlers liegt wieder in den Händen von Branco Alvermann. Als Sankt Martin reitet Sven Hövelmann im Zug. Zur Einstimmung wird bereits ab 17 Uhr vor dem Rathaus die Geschichte von Sankt Martin verlesen.

Die Vereinigung der Freunde des Martinsfestes ist nicht nur für den großen Martinszug verantwortlich, sondern organisiert auch zahlreiche weitere Veranstaltungen, die das Brauchtum rund um Sankt Martin lebendig halten. Dazu gehört vor allem eine Ausstellung von Martinslampen. In diesem Jahr haben wieder zahlreiche Kinder mitgemacht. Die besten Arbeiten werden prämiert.

 

St. Martins Zug NRW-Kulturgut

 

Die Stadtverwaltung hat herausgefunden, dass es bereits 1871 einen – unorganisierten – Martinszug in Düsseldorf gab.Die Bräuche zum Martinsfest reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Bereits im 5. Jahrhundert wählten ihn Kirchen, Klöster und Hospitäler zum Patron. Das geradlinige Eintreten von Martin für das Christentum mag dazu beigetragen haben. Der Sohn eines heidnischen römischen Offiziers, 316 in Westungarn geboren, ließ sich mit 18 Jahren taufen. Zuvor hatte er vor Amiens noch als Heide aus Barmherzigkeit mit einem Bettler seinen Soldatenmantel geteilt. Bald nach der Taufe verließ Martin das Heer und wurde Einsiedler. Er lebte in verschiedenen Klöstern und wurde schließlich um 370 gegen seinen Willen zum Bischof von Tours in Frankreich gewählt. 397 soll er gestorben sein.

Der Martinszug durch die Düsseldorfer Altstadt, der 2026 zum 101. Mal stattfindet, ist in das Verzeichnis des immateriellen NRW-Kulturgutes aufgenommen worden. Dies ist ein erster Schritt in Richtung der Aufnahme ins Weltkulturerbe.

Beitragsbild: St. Martin vor dem Rathaus – Foto KI-generiert

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