St. Lambertus: Relikte eines historischen Friedhofs entdeckt

Bei Tiefbauarbeiten zur Sanierung des Fischerjungenbrunnens an der Nordostecke der Kirche St. Lambertus in der Altstadt wurden Relikte des historischen Friedhofs von Düsseldorf aufgedeckt. Eine archäologische Dokumentation gewährt einen seltenen Einblick in das Herz der mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Stadt. Der ehemalige Kirchhof von St. Lambertus gilt damit als Bodendenkmal des Monats Oktober 2026.

Denkmal des Monats Oktober ist der Mittelalterliche Altstadtkern rund um St. Lambertus: Im Vordergrund der Fischerjungenbrunnen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten  Foto: Landeshauptstadt / Kulturamt

Im Zuge der Ausgrabungen zeigte sich, dass das oberflächennahe Erdreich bereits durch frühere Bodeneingriffe durchwühlt war. Im Aushub wurden zunächst Tier- und Menschenknochen zusammen mit Ziegelbruch, Mörtelresten, Keramik und anderen Hinterlassenschaften menschlicher Kultur verschiedener Zeiten vermischt angetroffen.

Erst auf der Sohle des Grabens für die Wasserleitung des Brunnens, etwa ein Meter unter der heutigen Geländeoberfläche, kamen ein Schädel, Teile der Hals- und Brustwirbelsäule, Schlüsselbeine und Teile des Oberarmknochens eines Menschen in ungestörter Lage zutage. Wie bei christlichen Begräbnissen üblich, war die Person mit Blick nach Osten bestattet worden. Da tiefe Eingriffe in den Boden nicht erforderlich waren, konnten die Knochen an Ort und Stelle verbleiben.

 

Kirche und Stift St. Lambertus

 

Am Standort der heutigen Kirche St. Lambertus stand mindestens seit der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kirche, die vermutlich im Jahr 1206 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Fundamente dieses Vorgängerbaus wurden im 17. Jahrhundert bei der Anlage von Gräbern für Mitglieder des Stifts im Chor des heutigen Kirchenbaus entdeckt. Es ist anzunehmen, dass das umliegende Gelände bereits damals als Friedhof für die Gemeinde des kleinen Dorfes an der Düssel diente.

Nach der Erhebung Düsseldorfs zur Stadt im Jahr 1288 wurde im Zentrum ein Kanonikerstift eingerichtet. Damit einhergehend wurde der Bau einer neuen Stiftskirche im gotischen Stil begonnen, welche die bestehende Pfarrkirche ersetzte. Die Bauarbeiten wurden vermutlich in mehreren Etappen ausgeführt. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die dreischiffige Hallenkirche, die heute das Zentrum der Altstadt prägt, fertiggestellt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1303, welche die Schenkung eines Hauses an das neu entstandene Stift behandelt, wird auch erstmals der dazugehörige Friedhof explizit erwähnt.

 

Gräber in ungestörter Lage

 

Der mittelalterliche bis frühneuzeitliche Friedhof erstreckte sich über weite Teile der Freiflächen um die Kirche. Teile davon wurden südlich von St. Lambertus 2016 bei Leitungsbaumaßnahmen von Peter Schulenberg archäologisch untersucht. Dort wurden teilweise nur 60 cm unter dem Pflaster Gräber in ungestörter Lage entdeckt. An einigen Schädeln wurden grüne Verfärbungen beobachtet, die von korrodierten Kupferdrähten stammen. Sie weisen darauf hin, dass die Bestatteten sogenannte „Totenkronen“ trugen, Kopfschmuck aus Draht und Textilien, der im 16. bis 19. Jahrhundert unverheirateten Personen mit ins Grab gegeben wurde.

Beitragsbild: Überreste beerdigter Menschen – Foto: Peter Schulenberg

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