Tonhalle: Menschenrechtspreis an Frauenrechtlerin – Sonderpreis für Tilly

Grundsätzlich bin ich kein Freund der Vermischung von Kultur und Politik. Es gibt so viele abschreckende Beispiele. Etwa die Verleihung des „Echo“ im Jahr 2018 an Kollegah & Farid Bang, der „Hannah-Arendt-Preis“ für Masha Gessen (2023) oder die Verleihung des Karlspreises an Ursula von der Leyen 2025. Dieser gewichtige Preis ist längst kein Kulturpreis mehr, sondern faktisch zum Instrument politischer Selbstvergewisserung des EU-Establishments geworden.

Der Kulturbetrieb zeigt sich besonders anfällig für politische Fehlurteile, wenn sie im Gewand ästhetischer Größe auftreten. Eine löbliche Ausnahme ist Dirigent Adam Fischer, der sich weit über den Konzertsaal hinaus engagiert und jährlich den Menschenrechtspreis der Tonhalle vergibt. Wie in den letzten Jahren kann man auch in diesem Jahr seiner Wahl nur zustimmen.

 

Verheerender Bürgerkrieg

 

Am 29. März vergibt er den mit 10.000 Euro dotierten Preis an die sudanesische Frauenrechtlerin Salwa Elsadik. Die Wissenschaftlerin ist Gründerin und Direktorin der von Frauen geführten Women Advocacy and Development Iniative (WADI), die im Sudan humanitäre Hilfe leistet. Das nordostafrikanische Land leidet seit Jahren unter einem verheerenden Bürgerkrieg, viele Millionen Menschen sind auf der Flucht und von Hunger bedroht. WADI setzt sich an vorderster Front für Krisenhilfe, Friedensförderung und den Schutz insbesondere von Frauen und Mädchen ein. Nach dem Zusammenbruch staatlicher Institutionen und angesichts schwindender internationaler Entwicklungshilfe tragen Initiativen wie WADI heute maßgeblich die Verantwortung für humanitäre Versorgung, darunter Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Notunterkünften.

Immer skeptisch, eckt gern an: Jacques Tilly / Foto:  Steve Antonin

Erstmals vergibt Fischer den (undotierten) Solidaritätspreis. Er geht an Jacques Tilly. Ein klarer Ausdruck des Beistands angesichts des gegen Jacques angestrengten Prozesses in Moskau wegen „Verunglimpfung“ staatlicher Organe. Gemeint sind bitterböse Mottowagen, die Wladimir Putin aufs Korn nahmen.

 

Adam Fischer schätzt Tillys Einsatz für die Meinungsfreiheit sehr: „Als Künstler muss ich gegen die Verfolgung von Künstlern aufstehen. Ich bewundere die Klarheit und Entschiedenheit von Jacques Tilly und seiner Kunst. Sie gehört geschützt, nicht angeklagt.“ 

 

Die Verleihung des Menschenrechtspreises und des Sonderpreises findet im Rahmen eines Menschenrechtskonzerts in der Tonhalle Düsseldorf statt. Die Auszeichnung wird von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e. V. aus zweckgebundenen Spenden u. a. der Stadtsparkasse Düsseldorf gestiftet. Salwa Elsadik und Jacques Tilly werden die Preise persönlich entgegennehmen. Auf dem Konzertprogramm steht die 2. Symphonie von Johannes Brahms. Es musizieren die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Adam Fischer.

Beitragsbild: Salwa Elsadik / Foto Erica Straver

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