Bei meiner Tochter (13) ist das Handy mit der linken Hand verwachsen. Ihr geht es wie den meisten Teenies, die ihr Smartphone im Schnitt rund 180 Mal am Tag – etwa alle 5 Minuten aktivieren. Viele Schulen erleben gleichzeitig nachlassende Aufmerksamkeit und weniger echte Interaktion im Schulalltag.
Ein Verbot? Keine Lösung. Was also dann?
Ein Start-Up erzielt Erfolge mit Aufklärung. Nicht auf Instagram oder TikTok, sondern im Klassenraum. Ziel: ein besseres Verständnis für das eigene Nutzungsverhalten zu erreichen und die Fähigkeit bewusst zu entscheiden zu vermitteln.
Und das wirkt.
Zwei junge Leute, Linda Schmiedel und Jacob Weizman haben mit „Smartphone aus – Leben an“ ein Programm entwickelt, das nachweislich funktioniert. Jacob Weizman:
„Wir führen aktuell bundesweit ein 4-Wochen-Programm an Schulen durch, in dem Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern gemeinsam ihren Umgang mit dem Smartphone reflektieren und Schritt für Schritt verändern.“
Dabei wird nicht zu Verzicht aufgerufen. Stattdessen soll durch mehr Wissen Bewusstsein erzeugt und die Selbstbestimmtheit im Alltag verstärkt werden.
Weizman:
„Schülerinnen und Schüler reagieren auf unseren Ansatz sehr positiv, weil wir mit ihnen sprechen, statt über sie. Sie merken schnell: Es geht nicht darum weniger zu dürfen, sondern darum, selbst zu entscheiden, was ihnen wirklich wichtig ist.“
Ergebnisse aus bisherigen Schulen in mittlerweile acht Bundesländern ergeben Bewertungen von 4,6 von 5 Punkten von Schülern und 4,7 von Lehrern und Eltern.
Gründer des Programms: Jacob Weizman – Foto: privat
So funktioniert’s: In einem vierwöchigen Programm wird Bewusstsein geschaffen. Wie viel Zeit verbringt man am Handy, wann greift man zum Smartphone und warum. In der Folge werden mit den Schülern Nutzungsroutinen für den Alltag besprochen, u.a. Handy-freie Zeiten und -Orte festgelegt – alles im Dialog, nicht oktroyiert. Im weiteren Verlauf die Fragestellung, was man mit der gewonnen Zeit, rund zwei Stunden täglich, Besseres anfangen kann.
Das Start-Up wird, im Gegensatz zu manchem Unsinn, nicht staatlich gefördert, es arbeitet gewinnorientiert. Ein solcher Kurs kostet pro Klasse 500 Euro. In der Regel, so Weizman, „schlagen Lehrer den Eltern vor, die Aktion gemeinsam zu finanzieren.“
Ich werde der Klassenlehrerin meiner Tochter empfehlen, an diesem Programm teilzunehmen. Sie auch?
