Über diesen Wagen werden sich Grüne gefreut haben – sie fordern den Mietendeckel – Foto: Ricarda Hinz
Düsseldorfs Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist in Abwesenheit in Moskau zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Richter Konstantin Otschirow befand, Tilly habe religiöse Gefühle verletzt und Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte verbreitet.
Verurteilungen in Abwesenheit sind in Russland nicht neu. Jacques Tilly steht in einer Reihe mit Journalisten, Politikern, Aktivisten und Künstlern. Der Zweck der Verurteilung ist weniger die Vollstreckung als die Abschreckung.
Das Urteil widerspricht rechtsstaatlichen Kriterien. Kritik an Mächtigen darf sein, sogar ätzende Kritik. Wer in Deutschland auf Putin und Trump einschlägt, hat nicht wirklich Widerstand zu erwarten, er schwimmt im eher linken Mainstream – keine Gefahr anzuecken.
Jacques Tilly biedert sich damit gewiss bei niemandem an. Als grüner Linker lehnt er Trump ab und Putin aus bekannten Gründen. Jacques stellt Putin und Trump sogar auf eine Ebene. „Die Antidemokraten Putin und Trump sind gleichermaßen Feinde der liberalen Demokratie“, schreibt er auf seiner Website www.grossplastiken.de. Und: Europa sei die „letzte größere Insel von Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit zwischen zwei antiliberalen Großmächten“. Wie er vor dem Hintergrund von Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Hausdurchsuchungen wegen eines Memes, § 188 StGB, der Politiker-Beleidigungen schärfer ahndet als solche gegen „Normalbürger“ und der Forderung, Portale wie NIUS im Zweifel zu verbieten (Daniel Günther) darauf kommt, ist sein Geheimnis.
Kampf gegen die Obrigkeit
Dem US-Präsidenten Donald Trump unterstellt Jacques „unglaublich verlogene Heuchelei“, seine ICE-Truppen „entführen Menschen, Eltern und Kinder und erschießen Demonstranten.“ Einschätzung USA: „Wenn sich Trump so ein christliches Amerika vorstellt, kann man aus diesem Land nur noch fliehen.“
Tillys Kampf gegen die Obrigkeit endet in der letzten Zeit vor den deutschen Grenzen, obwohl gerade der Spott über die Herrschenden im eigenen Land dem Karneval eigen ist. Wagen gegen wachsenden Judenhass und gewalttätige Islamisten auf deutschen Straßen hat Jacques in den letzten Jahren nicht geliefert.
Das Geschehen in Deutschland betrachtet Jacques Tilly durch eine links getönte Brille. So feiert er die australische Regierung, weil sie ein Social Media-Verbot für unter 16-Jährige durchgesetzt habe. Bei aller Anerkennung der negativen Einflüsse, die von Tiktok ausgehen und im Bewusstsein des Suchtpotenzials kommt dies natürlich einer massenhaften Generalzensur gleich. Denn: Jeder Internet-Nutzer müsste sich ausweisen und somit gläsern machen, weshalb Kritiker hier die Meinungsfreiheit bedroht sehen.
Dinosaurier Verbrenner
Unser Düsseldorfer Künstler, der als Wagenbauer weltweit Schlagzeilen macht, hat einen scharfen Intellekt. Umso weniger verständlich sind viele seiner Motive. So zeigte er etwa am Rosenmontag Friedrich Merz und Markus Söder auf dem Dinosaurier „Verbrenner“ reitend. Tilly-Kommentar: „Der Verbrennermotor ist technologisch und ökologisch ein Fossil, eigentlich schon ausgestorben, aber beide wollen das nicht wahrhaben.“ Was Jacques dabei nicht berücksichtigt: Bei den Neuzulassungen 2025 waren nur 19,1 Prozent vollelektrisch. Die Menschen ziehen Verbrenner vor. Es fehlt an Ladestruktur, E-Autos verlieren rapide an Wert – und: Es fehlt an Strom! Hundert Prozent Elektromobilität könnte unsere Energieversorgung auf gar keinen Fall bewältigen. Damit positioniert sich Jacques Tilly klar grün und gegen die individuelle Entscheidungsfreiheit des Käufers: ein klares Nein zum Markt und ein Ja zu staatlichem Dirigismus.
Auch der Wagen zu den erheblich gestiegenen Mieten ist wohlfeil. Warum steigen die Mieten? Stichworte: Hunderte Bauvorschriften, lange Genehmigungsverfahren, sehr geringe Renditen – und natürlich Einwanderung von Millionen Migranten. Dieser Wagen, wie vorgestellt, zahlt auf Forderungen der Grünen nach einem Mietendeckel ein.
Auch bei der Afd zieht Jacques blank: „Die AfD ist die Partei des Landesverrats, sie arbeitet für Moskau. Wobei sich die AfD neuerdings auch Trump an den Hals wirft. Hauptsache es geht GEGEN Deutschland, GEGEN die EU, GEGEN unser politisches System. Das ist Verrat auf allen Ebenen.“
Mit viel Gratismut gesegnet
Letzteres kann man durchaus so sehen, es ist eine Meinung, die viele mit Jacques teilen würden,
abgesehen von den 25 % der Wähler, die ihre Stimme der AfD geben. Was jedoch Tilly-Wagen nach Bekanntwerden des Prozesses in Moskau – Fotos: Ricarda Hinz
auffällt: Regierungskritik wegen der drei hauptsächlichen Problemfelder „Energiewende“, Migration/Islamisierung und Explosion der staatlichen Ausgaben kommt im Tilly-Karneval nicht vor. Auch nicht die massive Verschuldung, die ein klarer Bruch von Friedrich Merz‘ Wahlversprechen war.
Insofern ist Jacques Tilly mit viel Gratismus gesegnet, er haut besonders dort drauf, wo er nicht aneckt. Bei Putin ist dies nun wider Erwarten geschehen. Ein totalitärer Staat fällt keine rechtsstaatlichen Urteile und versteht schon gar keine Satire. Ich hoffe von Herzen, dass Jacques‘ Sicherheit gewährleistet wird, falls nötig auch mit Polizeischutz. Die Narrenfreiheit muss bleiben. Es gilt vieles aufzuspießen – nicht nur in Russland und den USA.
