„Biermarkt im freien Fall“ (ZDF heute)
„Traditionsbrauerei Eichbaum vor drastischem Kahlschlag nach Insolvenz“ (Die Welt)
„Nächste Pleite in der Branche: Mauritius-Brauerei meldet Insolvenz an“ (Die Welt)
Im letzten Jahr tranken die Deutschen 7,8 Milliarden Liter Bier – klingt nach viel, ist auch viel. Aber: Es ist deutlich weniger (-6 %) als 2024. Und: Die Absatzzahl aus dem Jahr 2025 markiert den historischen Tiefstand, seit 1993 die Bierabsatz-Statistik eingeführt wurde.
Während viele Brauereien in diesen Tagen ganz alt aussehen, freuen sich die Düsseldorfer Alt-Brauereien nach wie vor über gute Zahlen. Woran das liegt, fragte ich Thea Ungermann, Chefin der ältesten Alt-Brauerei Schumacher, gegründet 1838.
Sie hat eine Erklärung, die ich nachvollziehen kann: „Schumacher Altbier ist für viele weit mehr als nur ein Getränk, es gehört einfach zur Heimat.“ Bei industriell produzierten Bieren sei diese emotionale Bindung zumeist nicht so ausgeprägt. Thea: „Sie stehen weniger für eine bestimmte Stadt, Geschichte oder Tradition und werden deshalb oft einfach als ein beliebiges Bier wahrgenommen, ohne diese besondere, regionale Verbundenheit.“
Ein Schumacher Alt (0,25 l) kostet derzeit stolze 2,90 Euro. Wie alle Brauereien hat auch Schumacher die Preise anheben müssen. Schuld sind Preistreiber wie erhöhte Rohstoff-Kosten – Malz, Hopfen und besonders die mit hohen Energiekosten belasteten Glasflaschen sind teurer geworden. Obendrauf dann noch gestiegene Personalkosten.
Umso dankbarer ist die Schumacher-Chefin über die Treue der Stammkunden: „Der Umsatzrückgang ist nur geringfügig. Manche Dinge ändern sich eben nicht: Der Rhein fließt, der Hoppeditz erwacht jedes Jahr und Schumacher Alt schmeckt immer.“
Altbier – ein Heimatgefühl, Teil der DNA Düsseldorfs. Doch es ist nicht das Bier allein. Für Schumacher, aber auch für die anderen Hausbrauereien gilt: Man kommt nicht nur wegen des leckeren Alts, man genießt auch die gemütliche und herzliche Brauhaus-Atmosphäre. Thea Ungermann: „Unsere Gäste schätzen die fröhliche Geselligkeit, das authentische Ambiente, natürlich unser Alt, aber auch unsere hochwertige Hausmannskost, die gut schmeckt und erschwinglich ist.“ Die Preispalette reicht vom halben Röggelchen mit Mett und Zwiebeln für 3 Euro bis zum „Rheinischen Sauerbraten unter Mandeln
mit Rosinensauce, Kartoffelklößen und Apfelmus“ für 23,50 Euro. „Auch in der Küche wird nur Qualität, etwa handverlesenes Gemüse verarbeitet. Das ist u.a. auch ein Zeichen der dekorativen Handschrift der „Weiberwirtschaft“ bei uns.“

Wird heute Alt anders getrunken, anders wahrgenommen? Hat sich an den Trinkgewohnheiten etwas geändert?
Thea Ungermann: „Früher stand das Bier weniger im Mittelpunkt, Hauptsache das Glas war voll. Heute wird tatsächlich bewusster und genießerischer getrunken.“ Das Alt habe sich diesbezüglich durchaus dem Wein angenähert: „Bier und Wein sind inzwischen nahezu auf Augenhöhe.“ Das Alt habe sein Image als reiner Durstlöscher abgelegt. Thea: „Es gibt unglaublich viele Sorten, Geschmacksrichtungen und Brauarten, und viele Leute entdecken gerade erst, wie vielseitig und hochwertig Bier, insbesondere das in einer Hausbrauerei hergestellte Alt sein kann.“ Im Schumacher erfreut sich etwa das kräftigere „1838“er Alt großer Beliebheit. Es kostet zehn Cent mehr als das „normale“ Alt und hinterlässt mit 5,0 statt 4,6 Umdrehungen einen nachhaltigeren Eindruck.
