Wollen wir die Olympiade 2036? Pro + Contra

Mittlerweile dürften alle wahlberechtigten Düsseldorfer Post von der Stadtverwaltung bekommen haben – Olympiade 2036 ja oder nein? Ich habe versucht, fair die Vor- und Nachteile herauszuarbeiten. Denn: Wir reden hier von großen Chancen und ebenso großen Risiken. Olympiade an Rhein und Ruhr kann ein nachhaltiger Image Booster sein oder ein Fiasko, besonders finanzieller Natur.

Als Marketing-Mensch sehe ich, dass Flughafen, Messe, Rheinbahn, Gastronomie und Hotellerie sowie der stationäre Einzelhandel stark profitieren könnten. Das wäre der finanzielle Aspekt. Zudem würde Düsseldorf als ein Hauptaustragungsort weltweit bekannt. Die Olympiade wäre eine gigantische Bühne und würde unserer Stadt vor einem Milliardenpublikum Sichtbarkeit verleihen.

Fast alle Sportstätten, die an Rhein und Ruhr benötigt würden, existieren bereits – ein gewaltiger Vorteil. Beteiligte Städte würden profitieren, keine Stadt müsste das alleinige Risiko tragen.

Soweit die denkbaren Vorteile, kommen wir zu den möglichen Nachteilen:

Bisher war noch jede Olympiade teurer als geplant. So nennen Teilnehmer an Umfragen zu 79 % auch die Kosten als größtes Problem. Trotz aller Nachhaltigkeitsversprechen bleibt die Frage: Was kann die Olympiade Düsseldorf wirklich bringen? Kurz und auf den Punkt: Kurzfristiger Glanz – langfristige Haushaltslast?

Schon jetzt muss unsere Kämmerin schauen, wie sie das Geld zusammenhält. Die Unfähigkeit der Bundesregierung, die großen Probleme (Energie + Migration) in den Griff zu kriegen, führt in der Landeshauptstadt zu massiven Einbrüchen bei der Gewerbesteuer. Besserung nicht in Sicht.

Millionen Besucher könnten Düsseldorf überfordern. Schon heute ist unsere Stadt bei Messen am Limit – und die Olympiade ist noch mal eine ganz andere Nummer. Preise würden hochschießen, der Verkehr würde beeinträchtigt. Eine Frage, die in dem Zusammenhang natürlich betrachtet werden muss: Schon jetzt ist der Bau der Oper ein finanziell schwer zu schulternde Last. Und dann noch Olympia? Das will alles sehr gut durchdacht und gerechnet werden.

Das Rhein-Ruhr-Modell erscheint attraktiv. Aber: Viele Städte, viele Interessen, die austariert werden müssten. Schon ein „Nein“ einzelner Städte könnte das Projekt gefährden.

FAZIT:

  • PRO: Große Chance für Image, Infrastruktur und einen modernen Olympia-Ansatz
  • CONTRA:  Klassisches Großprojekt-Risiko – teuer, politisch heikel, organisatorisch komplex. Die Spiele dürften summa summarum rund 40 Milliarden Euro an Gesamtkosten verursachen.

Wenn es gelingt, wirklich auf bestehende Infrastruktur zu setzen und die Kosten im Griff zu halten, könnte das die erste „vernünftige“ Olympia seit Jahrzehnten werden. Aber:
Sobald der politische Ehrgeiz größer wird als die wirtschaftliche Vernunft, kippt das Ganze schnell in genau die alten Fehler.

Die Kernfrage lautet: Wie sind eigentlich die Chancen, dass wir in Europa nach den Sommerspielen 2024 in Paris schon wieder eine Olympiade bekommen?

Meines Erachtens hat Ahmedabad, Indien, die größten Chancen. Die Inder machen kräftig Druck, planen massive Investitionen und wollen sich global als aufstrebende Macht präsentieren.

Mitbewerber Istanbul hat schlechtere Chancen – wegen der wirtschaftlichen Probleme des Landes und auch wegen der vergleichsweise instabilen politischen Lage.
Hoch ambitioniert ist Indonesien, das die Chance sieht, die neue Hauptstadt Nusantara als Prestigeprojekt vorzuführen. Schwächen bei der Infrastruktur und Zweifel an der Lösung logistischer Aufgaben könnten der Vergabe im Wege stehen.
Die Frage ist: Will das IOC Zeichen setzen oder wirtschaftliche Vernunft walten lassen. Im ersteren Fall würde Indien den Zuschlag bekommen, wobei Olympia Rhein-Ruhr die vernünftigste und sicherste Lösung wäre.
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