Gratulatione, Amici Italiani !

Juli 5, 2006 by  

Jetzt habe ich meinem Friseur und dem Inhaber der Trattoria meines Vertrauens gratuliert. Jetzt muss gut sein. Und ich habe gestern auch keine Pizza bestellt, um einen Italiener in den Ofen statt in den Fernseher schauen zu lassen. Die Kameraden aus dem Stiefel waren einfach besser, muss man neidlos zugeben. Wie sie auf der Steinstraße/Bastionsstraße gefeiert haben, zeigt das Video, in dem Attilio aus der Trattoria Luisa (nach einigem Weingenuss relativ deutlich) seine Freude zum Ausdruck bringt. Was meine Befindlichkeit betrifft, schließe ich mich dem Beitrag an, den mein Freund Uli mir geschickt hat:

Verliebt ins deutsche Team / Von Achim Achilles
Deutschland hat gegen Italien verloren. Okay, kann passieren. Was wirklich zählt, ist die Tatsache, dass das deutsche Team zum ersten Mal seit ewigen Zeiten eines ist, für das man sich nicht zu schämen braucht. Trotz des Ausscheidens als Gastgeber im WM-Halbfinale.

Wenn wir Deutschen Experten für etwas sind, dann für schlechtes Gewissen. Erinnern wir uns an die Interrail-Zeit vor ungefähr 30 Jahren. Man saß irgendwo in Griechenland am Strand, die Sterne funkelten, der Wein floss, und jeder sang seine Lieder. Nur wir Deutschen nicht. Wir kannten keine. Außerdem hatten wir Angst, dass die anderen „Nazi“ zu uns sagten, spaßig gemeint, aber doch nicht zum Lachen. Also sangen wir: „He’s a jolly good fellow.“ Das war unverdächtig, machte das schlechte Gewissen aber auch nicht besser.

Am nächsten Morgen dann wurde Fußball gespielt am Strand. Und wieder war es da, das schlechte Gewissen. An 1954 erinnerte sich kaum jemand. Aber zu 1974, da fiel jedem jungen Europäer etwas ein. Und zwar meistens der Satz: „Die Holländer waren besser.“ Es blieb dieses mulmige Gefühl, den Titel nicht verdient zu haben.

Ähnlich war es auch 1990. Nur durch einen zweifelhaften Elfmeter gewonnen. Und dann noch das Großmaul Beckenbauer („Dieses Team ist auf Jahre unschlagbar“). Wir hatten ein schlechtes Gewissen. So wie vor vier Jahren, als wir uns so durchs Turnier gemogelt haben. Auf den Titel des Vize-Weltmeisters waren wir 2002 nicht so richtig stolz. Wir hatten lieber ein schlechtes Gewissen, weil wir es nicht so schwer hatten wie die anderen.

Bei dieser WM gab es zum ersten Mal seit langer Zeit beim besten Willen keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln, nicht mal für uns Gräm-Profis. Unsere Mannschaft ist fit, sie spielt tollen Fußball, sie hat starke Mannschaften besiegt, mit Argentinien womöglich die beste Elf im ganzen Turnier. Und vor allem: Es sind keine Unsympathen im Team. Kein Breitner, kein Effenberg, kein Matthäus, kein Schumacher, kein Basler, niemand, für den man sich schämen müsste.

Es ist ein Wunder. Zum ersten Mal seit Generationen können unsere Kinder auf ihre Interrail-Tour gehen und müssen sich nicht entschuldigen für ihre Nationalmannschaft. Das übernehmen in diesem Sommer die Briten und Holländer. Ein herrlich befreiendes Gefühl.

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