LTU: Wöhrl gibt Anteile an Chef Marbach ab – Mitarbeitern drohen massive Gehaltseinbußen
April 29, 2006 by osi
Airbus A 330-200 – der neue Jet wurde gerade geliefert / Foto: LTU
Mit markigem Kampfruf gegen die Lufthansa hatte Hans-Rudolf Wöhrl, Modemann und Inhaber der Fluggesellschaft dba, erst vor einigen Wochen die Mehrheit an unserer LTU übernommen. REWE hatte seinerzeit einen symbolischen Franken für die Übernahme der Swissair-Anteile der LTU gezahlt. Ob Wöhrl mehr als einen Euro hinlegen mußte, ist nicht bekannt. Michael Machatschke, Kenner der Szene, schreibt im aktuellen MANAGER MAGAZIN jedenfalls: „Wieder wurde Wöhrl eine Airline gleichsam geschenkt“. Es besteht auch kein Grund zu der Annahme, dass Wöhrl in LTU investiert hätte. Jetzt hat der sympathische Modemann, der gern seinen grünen dba-Pin am Revers trägt und dazu die farblich passende Krawatte, die Mehrheit wieder abgegeben. Jürgen Marbach, Sprecher der Geschäftsführung, übernahm, wie gestern bekannt gegeben wurde, 24 Prozent der Anteile der „LoMa Beteiligungsgesellschaft mbH“, ein Gebilde, das gewissermaßen als LTU-Stützstrumpf gestrickt wurde. Einzelheiten darüber und ein interessanter Abriss über die letzten stürmischen Jahre der LTU u.a. in der ausführlichen Entscheidung der EU-Kommission über die Rechtmäßigkeit der „Rettungsbeihilfe“ von 120 Mio. Euro in Form einer Landesbürgschaft NRW, die 2001 gewährt wurde. Jürgen Marbach hält die 24 Prozent an der LTU über die „Marbach Beteiligung und Consulting GmbH“, Meerbusch. Weitere 40 Prozent liegen laut LTU-Mitteilung weiter bei der REWE Zentralfinanz e.G. in Köln, während Modemann Wöhrl über die Intro Verwaltungs GmbH, Nürnberg, nur noch 36 Prozent kontrolliert. Die 2700 LTU-Mitarbeiter (lt. LTU-Website), so wurde zeitgleich bekanntgegeben, sollen ein Kostensenkungsprogramm „mit vorübergehenden Gehaltskürzungen“ mittragen, das noch mit den Tarifparteien verhandelt werde. Die flügellahme LTU, die unter ihren Verbindlichkeiten leidet, will damit ihr Ergebnis in diesem Jahr um 45 Mio. Euro verbessern. Zu einem Drittel soll die Summe laut einem Bericht der Welt bei den Personalkosten eingespart werden. Das wären – theoretisch betrachtet – durchschnittlich für jeden der 2700 LTU-Mitarbeiter 5555 Euro im verbleibenden Restjahr und immerhin 694 Euro pro Monat. Einsparungen durch Outsourcing der IT (lt. WZ geplant) und weitere Abgänge durch Kündigungen oder Entlassungen wären beeinflussende Effekte. Stellt sich die Frage, wie leidensfähig sich das LTU-Personal zeigt. Ob die 15-Mio-Einsparung beim Personal gelingt und wie die restlichen 30 Mio. zusammen kommen, darauf darf man gespannt sein. Die Rahmenbedingungen – alles andere als erfreulich für LTU. Die große und strategisch wachsende Air Berlin (13,5 Mio. Passagiere) bekommt aktuell durch den Börsengang einige hundert Millionen Euro in die Kasse gespült und wird gestärkt, während die Lufthansa gerade die Ärmel aufkrempelt und im Kampf gegen deutsche Mitbewerber massiv die Ticketpreise senkt. Das MANAGER MAGAZIN: „Der gebeutelten Touristen-Airline fehlt fast alles zum Erfolg: die Kosten sind zu hoch, das Management wirkt überfordert, das Geschäftsmodell veraltet. Auf den so genannten Warmwasserstrecken, den Routen zu den Stränden am Mittelmeer und im Atlantik, dominieren längst andere, ganz vorneweg Air Berlin. Bei Langstreckenflügen, etwa nach new York, tritt LTU gegen die klassischen Liniengesellschaften an, die in der Bretterklasse immer ein paar billige Sitze übrig haben“.
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